Tradition seit über 100 Jahren

 

Kriegswirtschaft

 

Unter SED Herrschaft

 

Vor dem
2. Weltkrieg

 

 

Zeit der Wende

Nach Kriegsende

Die Geschichte von PWB

Auf zwei Spuren lässt sich die 100jährige Geschichte der Preßwerkzeugbau Großdubrau GmbH nachzeichnen. Die eine zeigt eine wirtschaftlich schwer einzuschätzende Situation, die andere den unternehmerischen Geist eines Mannes, der von seinen handwerklichen Möglichkeiten überzeugt ist.

 

Die erste Spur dokumentiert das traditionelle Handwerk, wie es sich im Umbruch befindet. Fragen der Massenproduktion und neu entwickelter Fertigungsprozesse, hatten längst die Hierarchie der alten Gewerke in Frage gestellt. Wer zum Beispiel würde sich am Ende mit der Verbreitung der Elektrizität profilieren können? Oder würde sich die Beleuchtung mit Acetylengas durchsetzen und dem Flaschner neue Horizonte eröffnen?

 

Aufgewühlt von solchen Überlegungen, gründete der 1907 aus Berlin in die Oberlausitz nach Großdubrau gekommene Richard Reinicke einen kleinen Zuliefererbetrieb für die Margarethenhütte. Diese Industriegeschichte ist die zweite Spur. Die Kaolinvorkommen der Umgebung Großdubraus hatten eine günstige Porzellanherstellung versprochen und die Hütte von Berlin-Moabit nach Großdubrau gelockt. Reinickes Betriebsgründung war eine logische Konsequenz aus seinem bisherigen Schaffen. Längst hatte er ein Patent zur Herstellung von Werkzeugmatrizen entwickelt. Dieses ließ sich nun Erfolg versprechend in Großdubrau einsetzen. Hier war der Bedarf groß an Matrizen für Elektroporzellan, wie es etwa für Telegrafenleitungen eingesetzt wurde.

In der kleinen Werkstatt in der Klixer Straße in Großdubrau arbeitete der Werkzeugschlossermeister Reinicke zunächst an der Drehmaschine,  wobei ihn seine Gattin die ersten Jahre aktiv in der Werkstatt unterstützte. Ein Jahr später standen schon zwei Gehilfen an den Bohrmaschinen und den Hobelmaschinen. Handarbeit bestimmte sämtliche Abläufe der Produktion. Die Keimzelle für eine lange und auf Wachstum programmierte Firmengeschichte hatte sich durchgesetzt.

Die Jahre vor dem 2. Weltkrieg

Der Handwerksbetrieb wächst. Eine neue Firmierung bringt dies zum Ausdruck: „Richard Reinicke Werkzeug- und Maschinenfabrik G.m.b.H.“ steht fortan auf dem Briefpapier. Schon zwei Jahre später macht sich aber auch in den Büchern von Reinickes Fabrik die Wirtschaftskrise bemerkbar. Der Absatz sinkt und Reinicke reist bis nach Südamerika um neue Märkte zu erschließen. Erfolgreich, denn schließlich wird in 16 Länder in Europa und Amerika exportiert.

 

1925 sind in Reinickes Maschinenfabrik schon 25 Menschen beschäftigt. Jetzt gelingt der wichtige Schritt, der  Matrizenbau für die Porzellanindustrie und die Herstellung von Pressformen für Phenoplastprodukte: Knöpfe, Griffe und Autoteile werden inzwischen aus dem ‚Bakelit‘ genannten Kunstharz gefertigt.

Kriegswirtschaft 1939 - 1945

 

Wie in jedem anderen Betrieb in Deutschland, so wurden auch in der Werkzeug- und Maschinenfabrik Richard Reinickes schon bald die Männer zum Wehrdienst an die Front abgerufen. Der moderne Betrieb war auf Fachkräfte angewiesen und musste sich auf jede Hand verlassen können.

Um das Fehlen der männlichen Fachkräfte zu kompensieren und die wachsenden  Produktionszahlen aufrecht erhalten zu können, fanden in der Produktion mehr und mehr Frauen Beschäftigung. Seit 1935 waren aus den 46 Beschäftigten bis 1944 schon 88 geworden. Die Einsatzbereitschaft auch der Frauen, war eine Stärke des kriegswichtigen Betriebs in Großdubrau während der Zeit, in der die meisten Männer im Krieg dienten. So konnten die Mitarbeiter zum Trost aller nebenbei in kleiner Serie sogar Spielzeug für Kinder fertigen.

 

Klar strukturierte Fertigungsprozesse waren die Voraussetzung, um die Werkzeug- und Maschinenfabrik Richard Reinickes immer wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Über der Produktionsstätte war die Lehrwerkstatt untergebracht, in der die Fachkräfte ausgebildet wurden. 1941 wurde in Ergänzung zum Hauptgebäude, wo sich neben der Polierstube auch ein umfangreiches Lager befand, auf dem Betriebsgelände eine Produktionsbaracke errichtet, die bis 1952 genutzt wurde.

Kriegsende und Bestandsaufnahme

 

Bis zum Ende des Krieges war die Produktionsfläche der Richard Reinicke Werkzeug- und Maschinenfabrik GmbH auf 840qm angewachsen.

 

Die Firma hatte glücklicherweise den Krieg unzerstört überstanden, das Wachstum der zurückliegenden zehn Jahre um fast 300% aber war gebrochen. Während andernorts sofort ganze Produktionsstraßen zerstört oder abgebaut wurden, blieb Reinickes Unternehmen die Demontage durch die Sowjets erspart. Nur langsam jedoch kehrte ein Teil der  Facharbeiter von einst aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurück nach Großdubrau.

 

Das Überleben des Betriebes war für die Heimkehrer und den ganzen Ort ein Gewinn, konnte man doch zum Teil dort anknüpfen, wo man vor dem Krieg aufgehört hatte. Schließlich wollte innerhalb des Betriebes niemand eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte der ersten Jahre in Frage stellen.

 

Die Entwicklung unter anderen Vorzeichen

 

Richard Reinicke wird enteignet und der von den Sowjets  eingesetzte Treuhänder Herr Karl Krecek und Sympathisanten der KPD, verwehrten Reinicke sogar den Wunsch, als Werkzeugmacher arbeiten zu dürfen.

 

Er verlässt mit seiner Frau sein Wohnhaus in der Klixer Straße, nur mit den Habseligkeiten, die zu tragen waren. Reinicke bezieht in der Nähe eine kleine Dachwohnung, wo er 1948 stirbt.

Am 1. Juli 1948 endete für die Richard Reinicke Werkzeug- und Maschinenfabrik GmbH eine lange und sicher auch schmerzhafte, ungewisse Phase. War die Unternehmerpersönlichkeit Richard Reinicke bereits zwei Jahre zuvor enteignet und die Firma in Treuhandverwaltung weitergeführt worden, so wurde schließlich im Juli 1948 der gesamte Betrieb verstaatlicht und in vermeintliches Volkseigentum übergeführt. Nach dem Ausscheiden von Richard Reinicke wurde die Betriebsleitung an Karl Krecek übertragen. Krecek war schon unter Reinickes Leitung Mitarbeiter im Betrieb und als Dreher beschäftigt. Damit war für das einst inhabergeführte Unternehmen nach inzwischen 31 Betriebsjahren endgültig ein anderer Weg eingeschlagen und die Geschichte für unumkehrbar erklärt worden.

Unter der Herrschaft der SED

 

Aus heutiger Sicht lässt sich die Wirtschaftsgeschichte der DDR mit originellen Alltagsgeschichten vielfältig beschreiben. Die Produktion  in Großdubrau darf da nicht fehlen. Unter den wirtschaftlichen Bedingungen der Massenproduktion und den politischen Zielvorgaben

der Zulieferung für ‚Artikel des Bevölkerungsbedarfs‘, prägten auch ‚Thermoplaste‘ aus Großdubrau das Leben der Menschen.

 

Verkleidungsteile für Kleinschreibmaschinen und für die Elektro- und Fotoindustrie, Erzeugnisse für den Sanitärbereich bis hin zum Werkzeugkasten und einem ‚Format-Dosen-Programm‘, gehören längst zum Sortiment einer sozialistischen Warenkunde. Die Funktionalität der Produktionsergebnisse konnten jedoch nie die Schwierigkeiten der sozialistischen Planerfüllung aufwiegen. Der Ansatz, Leistung über Kader und Funktionäre zu definieren, stieß auch in Großdubrau immer wieder an Grenzen. Dennoch ist die Geschichte des Preßwerkzeugbaus in Großdubrau auch mit der lokalen Entwicklung eng verbunden. ‚Territorium und Betrieb‘ wurde von den SED-Kadern als eine Einheit aufgefasst. Dies drückt sich aus in der Gründung einer Arbeiterwohnungsbau-Gemeinschaft im Jahr 1963 und einem ‚Haus der Gesundheit‘, an dessen Erweiterung seit 1945 immer wieder gearbeitet wurde.

Durch die Einrichtung von Kindergarten und Kinderkrippe konnten die Kinder im Kollektiv sozialistisch erzogen werden. Mit dem Angebot eines Frisörsalons und einem Frühstückstrakt, waren fast alle Lebensbereiche abgedeckt.

Bis zur Wende 1989

 

In der Wirtschaftsgeschichte der DDR ist der Standort Großdubrau nicht kleinzureden. Reinickes Firma wurde zu „Preßformenbau“ und hatte schließlich als „VEB Preßwerkzeugbau Großdubrau“ einen festen Platz in der „Vereinigung volkseigener Betriebe Plasteverarbeitung“.

 

 

Dem steigenden Bedarf an Konsum-

artikeln versuchte man vergeblich, mit überhöhtem Personaleinsatz nachzukommen. Moderne Maschinen waren in der sozialistischen Mangelwirtschaft schwer zu beschaffen.

In Zeiten des revolutionären Umbruchs hat die Belegschaft der PWB nicht nur mit Geschlossenheit und Intelligenz dafür gekämpft, das alte Regime loszuwerden, sondern auch mit Witz und Ironie durch den Mitarbeiter Rainer Schenk, der mit großer Begabung den ratlosen Leitungskader so gekonnt in einer Karikatur darzustellen wusste, dass noch heute jedes einzelne Gesicht sofort erkannt werden kann.

 

Von den Dargestellten erhielt nur der seinerzeitige

Betriebsdirektor, Herr Eberhard Klemm, in einer Vertrauens-Abstimmung die Möglichkeit, in der Firmenleitung zu bleiben. Ihm ist es gelungen, in Herrn Baier einen Investor zu finden und so den Betrieb in eine neue Zeit überzuleiten

DIE WENDE 1989

Als das gesellschaftliche und politische System in die Krise kommt, waren immerhin 400 Menschen beschäftigt. Im Sommer 1990 wurde der volkseigene Betrieb in die „PWB Preßwerkzeugbau Großdubrau GmbH“ umgewandelt.

Die Erfolgsbilanz

Über 600 Auszubildende, die wir in 100 Jahren ausgebildet haben – über 100 allein seit der Wende – legen Zeugnis ab von unseren Bemühungen, auch der Jugend in unserer Gesellschaft eine solide und zukunftsorientierte Ausbildung unter kompetenter Führung zu bieten.

 

Unsere 100 Jahre Erfahrung und die lange Werkzeugmacher-Tradition in unserem Betrieb, sind hierfür die beste Basis. Mit dem aus PWB hervorgegangenen Schwesterwerk KNB haben über 300 Mitarbeiter einen gesicherten Arbeitsplatz und zeigen, dass wir sehr flexibel auf Gegebenheiten reagieren und somit die Produktivität des Betriebes innerhalb des letzten Jahrzehnts enorm steigern konnten.

 

Somit sind und bleiben wir gegenüber Niedriglohnländern wettbewerbsfähig und können unserem treuen Kundenstamm die erwartete Leistung erbringen. Zufriedene Kunden wie Mercedes, Audi, VW dienen dem Beweis, dass sich die hohen Investitionen in einen der modernsten Maschinenparks Deutschlands gelohnt haben.

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